Die Tonbandgerätewerkstatt, Tonbandgeräte Reparatur und Wartung

 

 

 

B77

Was ist eine Generalüberholung?

Ein 30...40 Jahre altes Tonbandgerät ist kein Neugerät mehr. Es ist einerseits gealtert und andererseits mehr oder weniger abgenutzt.
Unter der Abnutzung versteht man den tatsächlichen Materialverschleiß, z.B. der Abschliff an den Tonköpfen oder an Schalterkontakten.
Die Abnutzung hängt unmittelbar von der Nutzungsdauer des Gerätes ab.
Unter Alterung versteht man die Veränderung physikalischer und chemischer Eigenschaften von Materialien, z.B. die Versprödung von Gummiteilen oder das Austrocknen von Elektrolytkondensatoren. Diese Alterungsprozesse laufen ab, ob ein Gerät viel oder wenig benutzt wurde.
Erfahrungsgemäß ist ab einem Alter von 25 Jahren mit ausgetrockneten Kondensatoren und spröden Gummiteilen zu rechnen.

Es mag durchaus sein, dass ein Gerät dieses Alters heute einwandfrei funktioniert, aber schon morgen kann es ausfallen, oder nächste Woche, nächsten Monat oder im nächsten Jahr. Dies lässt sich nicht vorhersagen.

Bei einer Generalüberholung (auch Revision genannt) werden grundsätzlich alle gealterten Teile ersetzt, sodass man in den nächsten 25 Jahren keinen Ausfall befürchten muss. Zudem sind die heute verfügbaren Teile qualitativ noch besser als die in den 70er Jahren verbauten Teile.

Betroffen sind folgende Teile:
Die Elektrolytkondensatoren, je nach Modell 35...40St. bei der A77, über 80St bei einer B77 MK II, sowie die Entstörkondensatoren am Netzeingang.
Die Zählwerksriemen, je nach Modell 1 oder 2 St. bei der A77, 2St. bei der B77.
Die Abgleichpotentiometer, 17St. bei A77 und B77.

Weiterhin werden verschlissene Teile ersetzt.

Betroffen sind:
Die Schalterkontakte, 19St. bei der A77 10St. bei der B77
Die Glühbirnen, 5St. bei der A77, 2St. bei der B77
Das Bandeinlauflager

Grundsätzlich werden
- die Geräte außen und innen gründlich gereinigt
- bewegliche Teile frisch geölt bzw. gefettet
- alle Metallteile der Bandführung entmagnetisiert
- die Bremsen nachgemessen und ggf. nachjustiert
- die Drehmomente der Wickelmotoren kontrolliert
- die Anpresskraft der Andruckrolle kontrolliert und ggf. nachjustiert
- die Bandgeschwindigkeiten kontrolliert und ggf. nachjustiert
- der Gleichlauf (Wow und Flutter) kontrolliert und ggf. korrigiert
- die Tonköpfe neu justiert
- alle Abgleichpotentiometer neu eingestellt
(Einmessen auf RMG LPR35, Maxell UD, Maxell XLI, SM911, PER 528 oder Kundenband)
- die Frequenzgänge nachgemessen und eingestellt
- die elektrische Sicherheit gemäß VDE0701/0702 überprüft.

Prinzipiell wäre es auch konsequent, die Tonköpfe auszutauschen, auch dort ist Abnutzung erkennbar. Gut erhaltene oder gar neue Tonköpfe sind heute aber recht teuer geworden, übersteigen oft sogar den Anschaffungspreis einer gebrauchten A77 oder B77. Wer sein Bandgerät nicht gerade professionell im 8-Stundenbetrieb benutzen will, hat selbst mit gebrauchten Tonköpfen noch viele Jahre seine Freude. Wesentlich ist, ob man mit den vorandenen Köpfen noch den ursprünglichen Frequenzgang erzielen kann oder nicht. Durchschnittlich benutzte A77 Geräte zeigen heute einen Kopfspiegel (Breite der Fläche, auf der das Band heute aufliegt) von ca. 3mm. Diese Geräte bringen alle noch den ursprünglichen Frequenzgang und werden dies noch viele Jahre lang tun.

Die restliche Konstruktion ist besonders bei Revox Geräten derart robust und ausreichend dimensioniert, dass ihre Liebhaber "gebaut für die Ewigkeit" dazu sagen.

Generalüberholte Geräte entsprechen somit nahezu dem Neuzustand und werden definitiv noch Jahrzehnte laufen.

Generalüberholung japanischer Geräte

So ansprechend die japanischen Geräte äußerlich sein mögen, so haarsträubend ist meist der innere Aufbau. Besonders in den großen Geräten wurden hemmungslos riesige Kabelstränge kreuz und quer durch die Geräte verlegt, meist nicht mit Steckern versehen, sondern mit den Platinen verlötet. Manche Platinen sind hinter den vielen Kabeln kaum zu sehen, geschweige denn kann man daran vernünftig arbeiten. Oft dauert es länger, sich bis zu einer Platine "vorzuarbeiten", als die darauf befindlichen Bauteile auszutauschen.
Dies führt dazu, dass eine Generalüberholung bei den großen japanischen Geräten deutlich länger dauert als bei einer Revox.

Fachwerkstatt für HiFi-Geräte, speziell Tonbandgeräte.